Der Angriff auf Mittwald. Wenn die KI zu viele Schlüssel hat.
von Marten Burow
KI-Assistenten sollen nicht nur Fragen beantworten, sondern Dinge erledigen: Termine eintragen, E-Mails sortieren, Websites pflegen. Dafür brauchen sie Zugang zu deinen Konten. Der Fall Mittwald zeigt, was passiert, wenn dieser Zugang in falsche Hände gerät.
Was passiert ist
Mittwald ist ein großer Webhoster aus NRW. Kunden konnten ihr Verwaltungsportal über eine eigene Schnittstelle, einen sogenannten MCP-Server, mit KI-Assistenten verbinden. Am 27. Oktober griffen Unbekannte auf diese Schnittstelle zu und lasen Zugangsschlüssel von Nutzern aus. Damit kamen sie an deren Projekte.
Mittwald bemerkte den Zugriff am 4. November und schaltete vorsorglich für alle Kunden den Login und den SSH-Zugang ab. Die Websites liefen weiter, aber niemand konnte etwas daran ändern, auch keine dringenden Sicherheitsupdates einspielen.
Bist du Mittwald-Kunde?
Schau in dein Postfach: Betroffene Kunden bekommen eine persönliche E-Mail. Wer die KI-Schnittstelle genutzt hat, sollte alle Zugangsdaten erneuern, die über das Portal erreichbar waren, und seine Projekte auf ungewohnte Änderungen prüfen.
Die eigentliche Lehre: KI bekommt oft zu viele Rechte
Das Problem betrifft nicht nur Mittwald. Wer einen KI-Assistenten mit Microsoft 365, dem Postfach oder der Buchhaltung verbindet, gibt ihm einen Schlüssel. Wird der gestohlen oder missbraucht, kann der Angreifer alles, was der Assistent konnte.
Fünf Regeln für KI mit Firmenzugang
- Nur die nötigsten Rechte: Soll die KI Termine lesen, braucht sie keinen Zugriff aufs ganze Postfach.
- Lesen statt schreiben: Wo es reicht, nur Lesezugriff erlauben.
- Übersicht behalten: Eine Liste führen, welche KI-Werkzeuge mit welchen Konten verbunden sind.
- Aufräumen: Verbindungen, die nicht mehr genutzt werden, wieder trennen.
- Nicht auf eigene Faust: Mitarbeitende sollten Firmenkonten nicht ungefragt mit neuen KI-Diensten verbinden. Eine kurze Regel im Team hilft.
Wie wir das handhaben
In Microsoft 365 lässt sich festlegen, dass neue Apps erst nach Freigabe auf Firmendaten zugreifen dürfen. Bei unseren Betreuungskunden richten wir das so ein und prüfen regelmäßig, welche Anwendungen Zugriff haben.
Du willst wissen, welche Apps und KI-Dienste bei euch auf Firmendaten zugreifen? Ruf uns an: 0431 556 84 84 5. Mehr unter IT-Sicherheit und IT-Betreuung.